Als säße Beethoven selbst am Klavier
Eine Offenbarung: Stefan Litwin im Schauspielhaus

Gerade das Besondere des Abends wirft ein trübes Licht auf den Konzertalltag: Beethovens erstes Klavierkonzert, diesmal nicht von einem Pianisten, sondern von einem Musiker gespielt.
Stefan Litwin heißt er und macht bei seinem Auftritt mit dem Berliner Sinfonie-Orchester und Michael Gielen so gut wie alles anders als die aberhundert Klavierarbeiter, deren Beethoven-Darbietungen sich meist so gleichen wie ein Frack dem anderen. [...]
Sein Beethovenspiel ist eine Offenbarung, die den Vergleich mit Rattles »Pastorale« vergangener Woche nicht zu scheuen braucht: Deren Hauptmerkmale, die Auseinandersetzung mit historischer Aufführungspraxis und die Verschmelzung einer durchkalkulierten künstlerischen Aussage mit der (Schein-) Spontaneität des Moments, bestimmen auch Litwins Spiel: Staccato-Spiel, Klangtransparenz und Registergewichtung mit einem knackigen, rhythmisch lebendigen Bass leiten sich direkt vom Hammerflügel der Beethoven-Zeit her und werden von Litwin mit prächtig schillerndem Steinway-Ton koloriert.
Fast denkt man, Beethoven säße selbst am Klavier, so frisch und fast improvisatorisch frei klingt Litwins Spiel.
Jörg Königsdorf,
Der Tagesspiegel, Berlin